Geschenke, die man nie vergisst

MEIN HERZ, SANFT GEBETTET von Angelika Bungert-Stüttgen

MEIN HERZ, SANFT GEBETTET
 von Angelika Bungert-Stüttgen

„Ich habe schon alle Geschenke zusammen. Gott sei Dank!“ Das sagte vor zwei Wochen jemand hinter mir in der U-Bahn. Ich muss gestehen, bei mir kam die Erinnerung an meine Oma hoch, die mir an Weihnachten 1982 einen Stapel Bücher vom Kaufhausgrabbeltisch schenkte mit den Worten: „Du liest doch so gerne!“. Ich weiß nicht, was mit diesen Büchern passiert ist, gelesen habe ich diese Liebesschnulzen nicht, ich war damals verrückt nach Krimis.

Schenken, damit etwas geschenkt ist! Ich weiß nicht, wie es Dir damit geht, aber je älter ich werde desto furchtbarer finde ich das. Ja, ich werde regelrecht ärgerlich!

Zum einen, weil ich nichts rumliegen habe möchte, was ich nicht will oder brauche. Auch nicht nach dem Motto „Tante Erna kommt. Hol mal schnell die häßliche Vase aus dem Keller, die sie uns geschenkt hat.“. Seit Jahren versuche ich nämlich mein Leben im wahrsten Sinne des Wortes zu entrümpeln.
Zum anderen fehlen mir die Achtsamkeit und der Respekt beim Schenken-damit-was-geschenkt-ist. Sowohl dem Schenker und dem Beschenkten als auch dem Geschenk gegenüber.Geschenk bekommen - Bild

Auf die Frage, was man mir mitbringen kann, antworte ich zumeist flapsig: „Nur etwas, was aufgegessen oder getrunken wird, was verbrennt oder verwelkt!“. Na, mal ehrlich, mir ist doch der Mensch wichtiger, der mich besucht, und nicht das Mitbringsel.

Letzte Woche habe ich über das Schenken an andere geschrieben. Aber wie ist das, wenn man etwas geschenkt bekommt? Und jetzt meine ich nicht die Schenken-damit-was-geschenkt-ist Geschenke, sondern die Geschenke, die einen völlig überraschen und bei denen man spürt, dass sie von Herzen kommen. Geschenke bei denen man weinen muss. Geschenke, die man nie vergisst.

Ich gebe zu, ich bin ganz schlecht im Geschenke annehmen. Das fällt mir sehr schwer. Immer noch. Da kommen immer gleich so tolle Glaubenssätze wieder hoch wie „das kann ich doch nicht annehmen!“, „was schenke ich denn da zurück?“ und vor allem der Klassiker „das hab‘ ich doch gar nicht verdient!“.

Stell‘ Dir vor, Du bekommst ein Geschenk, dass Dich so berührt, dass Du weinen musst – auf offener Straße! Mir ist das vor ein paar Wochen passiert. Ich war mit der Freiraumfrau Angelika Bungert-Stüttgen zu einer Ausstellung unterwegs. Plötzlich erklärt sie mir, dass sie mir zu meinem Webseiten-Relaunch ihr Bild „Mein Herz, sanft gebettet“ schenken möchte. Mir kamen sofort die Tränen.
„Kann ich das annehmen?“, „Habe ich das verdient?“ – Das sind eindeutig die falschen Fragen! Angelika hatte beschlossen, mir ihr Bild zu schenken. Sie war also der Meinung, ich hätte es verdient. Wieso sollte ich es nicht annehmen können?
Ja, ich habe es voller Freude und Dankbarkeit angenommen. Es hängt über meinem Bett, und mehr als einmal am Tag stimmt es mich glücklich – und in der Nacht beschert es mir gute Träume.

Stimmst Du mir zu? Man braucht nicht so viele Geschenke, aber ab und zu mal eines, das einen berührt, das einen zum Weinen bringt, das man nie vergisst!

Welches Geschenk brachte Dich zum Weinen? An welches denkst Du mit Freude und Dankbarkeit? Welches hat Dich völlig überrascht?

Garou Konzertkarten BildDas überraschenste Weihnachtsgeschenk bekam ich übrigens im Jahr 2000 von meinem Mann. Eintrittskarten für ein Konzert des frankokanadischen Sängers GAROU in Paris. Damals ging das noch nicht so einfach mit dem Onlinebestellen! Aber auch sonst hatte er alles organisiert. Hin- und Rückfahrt, Übernachtung und – vor allem – unsere zweijährige Tochter blieb erstmalig allein bei meinen Eltern. Nie vergesse ich die klapprigen Stühle im Saal bei diesem tollen Konzert. Nie unseren Weg nach dem Konzert durch’s nächtliche Paris. Das Hotelzimmer war etwas …naja, aber auch das vergesse ich nicht.

Ich wünsche Dir ein frohes Weihnachtsfest und ein Geschenk, das Dich sehr berührt!