3 Mutmacher für Deine emotionale Notfallapotheke

Innerer Kritiker Zeichnung

Wie Du Dich selbst an den Haaren aus dem Sumpf ziehst

„Das klappt doch nie! Das schaffst du einfach nicht!“, sagt er wieder einmal, schüttelt den Kopf und macht eine wegwerfende Handbewegung. Ich sitze auf dem Rad und kämpfe. Heute läuft es wieder gar nicht. Gefühlt komme ich keinen Meter vorwärts, dabei strampel ich wie eine Verrückte. „Wie willst du denn so im Mai von München an den Gardasee mit dem Rad kommen? Das kannst du knicken. Das wird nix!“, schreit er mir ins Ohr. Ich ringe nach Luft, mir tut alles weh. Ich kann einfach nicht mehr. Ich könnte heulen. Was mache ich hier nur mitten im Wald auf diesem Rad? „Lass es einfach sein!“, zischt er mir zu.
Ich halte an, atme tief ein. Ich kann ihn nicht ausstehen. Er soll einfach seine Klappe halten. Er, diese blöde Er.

Er, das ist der personifizierte Selbstzweifel. Wir haben ihn alle in uns, mal lauter, mal leiser zu hören. Unseren inneren Kritiker, unseren ganz eigenen Demotivator.
Der innere Kritiker ist schon sehr früh in unserem Leben durch Erfahrungen und Sozialisierung entstanden. Er ist geprägt von Ängsten, sieht alles negativ und ist furchtbar destruktiv. Für ihn ist wichtig, was andere denken und sagen. Seiner Meinung nach, beschützt er uns nur vor Versagen, Lächerlichkeit und Ärger. Eigentlich hat er aber Angst vor Veränderung und Risiko jeder Art.
Nun, was mache ich mit jemandem, der ein Teil von mir ist, der es nur gut mit mir meint, aber mich bremst und emotional runterzieht.

Das muss Dir klar sein, den inneren Kritiker ganz loswerden zu wollen, ist keine Option. Denn grundsätzlich musst Du immer überlegen, was dran ist an seinen Bedenken. Denn er hat ja aus Erfahrungen gelernt, und so ist nicht alles Unsinn. Aber er darf auch nicht die Oberhand über Dein Leben gewinnen. Er ist nämlich nur eine Stimme im Orchester, und Du mit Deinem „bewussten Ich“ bist der Dirigent, der sagt, was gespielt wird.Waldweg Bild

Da stehe ich nun mit meinem Rad mitten im Wald. Natürlich ist das anstrengend, und ich muss auf mich achten. Die Chemotherapie war ja kein Spaziergang. Ich könnte mich jetzt einfach an den Wegesrand legen, aber bei 3°C nicht wirklich zu empfehlen.

1. Ich mache das Einfachste. Ich atme. Ich konzentriere mich auf meine Atmung und zähle. „Eins – aus, Zwei – aus. Drei – aus…..“ Beim Einatmen zählen, beim Ausatmen „aus“ denken. Das mache ich solange bis ich ganz ruhig werde und Ihn nicht mehr höre. Indem ich meine Gedanken auf meinen Atem lenke, ist meine Konzentration ganz bei mir – und eben nicht woanders.
Die Energie geht dahin, wo die Aufmerksamkeit liegt!

Ich setze mich wieder auf den Sattel und beginne langsam aber stetig in die Pedale zu treten.

2. Mein Professor in der Mentalcoaching-Ausbildung sagte immer: „Lasst euer Gehirn nicht alleine denken!“. Und tatsächlich ist unser Gehirn, naja, sagen wir mal ein bisschen doof. Dem musst Du tatsächlich sagen, was es denken soll, wenn Du nicht willst, dass es denkt was es will.
Ich stelle mir also vor, wie ich fit und fröhlich in fünf Monaten von München an den Gardasee radel. Ich male mir die Bilder ganz deutlich vor meinem inneren Auge aus. Und ganz wichtig, ich spüre die Bilder.
Ich sehe das frische Grün des Frühlings während ich die Alpen hinauf- und hinunterflitze. Ich spüre den Fahrtwind in meinem Gesicht und die Wärme der Sonne auf meinem Körper. Ich rieche die reine, frische Luft. Ich fühle die Leichtigkeit.
Das Gehirn kann nicht zwischen Realität und Vorstellung unterscheiden. Du musst es bescheißen, ihm was vorspielen, damit im Körper die glücklichmachenden Hormone ausgeschüttet werden.

Angeregt von den positiven Bildern in meinem Kopf, flattern die Glückshormone in mir nur so rum, und es radelt sich wieder besser und leichter.

3. Und ich lächle in mich rein. Ich sitze auf dem Rad, trete in die Pedalen und lache in mein Innerstes. Solange bis ich tatsächlich laut lachen muss. Ganz egal, was die Spaziergänger denken, die ich gerade überhole. Das ist meiner Meinung nach auch das ganze Geheimnis an Lachyoga. So bescheuert es für Außenstehende aussieht, so glücklich macht es tatsächlich die, die mitmachen.
Nochmal das Gehirn bescheißen, nur auf andere Weise.

Nach 21 km komme ich zuhause an. Das ist viel weniger als sonst und viel, viel weniger als eine geplante Tagesetappe im Mai. Aber ich habe nicht aufgegeben, bin wieder gut drauf und in meinem Vorhaben, an den Gardasee zu radeln, bestärkt. Ich habe es aus eigenem Antrieb geschafft, und das fühlt sich einfach gut an.

Diese drei Mutmacher Atmen, positive Innere Bilder und Lächeln helfen in Krisensituationen, um nicht aufzugeben. Sie helfen auch jeder einzeln für sich. Manchmal reicht es einfach schon, bewusst zu atmen oder zu lächeln.
Allerdings – wie bei allem – helfen sie umso schneller und besser, je geübter Du in ihnen bist. Und am besten übst Du, wenn es Dir gut geht, damit es dann auch in den miesen Situationen klappt.

k-20151108_111137Er ist übrigens nicht im Wald geblieben. Er klammerte sich still und leise an meiner Kapuze fest. Ich glaube, er hat geschmollt.

Und wenn Du mich bei meinem Vorhaben „Mit dem Rad von München an den Gardasee“ virtuell begleiten möchtest, kannst Du das auf Facebook hier tun:   Radeln statt Krebs
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